Reingefallen.
Wieder einmal.
Dabei hätte ich es doch mittlerweile besser wissen sollen:
Schubladendenken allein nach dem äußeren Erscheinungsbild kann nur daneben gehen.
Diesen Nasenstüber habe ich mir heute von "Musc Nomade" eingehandelt.
Dem Namen wie auch dem Flacon zufolge war ich von einem eher strengen, herben, animalischen und ganz bestimmt nicht vornehm zurückhaltenden Duft ausgegangen, creiert für die betont maskulinen, schalenmäßig gehärteten Abenteurer unserer Zeit, freiheitsliebend und spröde und was weiß ich noch alles - schwierige Jungs halt.
Ha - nichts dergleichen steckt in diesem eckigen Fläschchen!
Bereits der allererste Hauch von "Musc Nomade" auf meinem Handgelenk knipst das weiter oben angelaufene Kopfkino aus und läßt mich durchaus nicht unsanft in die Realität zurückkehren.
Was sich da sanft und selbstbewußt entfaltet, hat ganz bestimmt nichts zu tun mit harten Kerlen - ein wunderbar weicher, schmeichelnder, trockener Moschus mit sanfter Fruchtsüße schwebt mir ins völlig überraschte Riechzentrum und läßt ganz neue Bilder entstehen von samtiger Männerhaut, tiefdunklen Augen und einem Lächeln, das mich jedes Keuschheitsgelübde brechen ließe.
Doch bevor es zum watteweichen Moschus-Overkill kommt, weben sich kleine Spitzen und Kanten in den ansonsten linearen Duftverlauf und kleben meine Nase ans Handgelenk - das müssen die Hölzer sein, die der Komposition eine leichte Rauchigkeit verleihen und verhindern, daß sie sich im allzu Soften verlieren (und mich womöglich noch langweilen) könnte.
Ein aufregender Kerl, dieser Nomade - und den Sinn des Namens habe ich nach einigen Stunden auch erfaßt:
Um seine Seßhaftigkeit ist es leider nicht besonders gut bestellt, allzu bald schon zieht der Nomade weiter.
(Winny, 06.01.12)
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