Zagorsk hat mich in positivem Sinne überrascht. Beeinflusst durch den Namen und die Information, dass damit die russisch-orthodoxe Kirche innerhalb der Incense-Reihe repräsentiert werden soll, erwartete ich einen sehr dunklen, starken, aufdringlichen und kalten Duft. Mit dem Auftakt – ich meine hier Piment und Zypresse zu riechen -, der etwas in der Nase prickelt, fühlte ich meine Voreingenommenheit fast bestätigt. Was sollte da der Weihrauch, unter dessen Zeichen diese Serie von Comme des Garçons steht, noch richten? Nach einer halben Stunde auf der Haut zeigt sich dann aber das wahre Gesicht: Ganz anders als erwartet ist der Weihrauch hier sehr zurückhaltend, es geht sogar etwas Meditatives von ihm aus. Er verbindet sich wunderbar mit den Holznoten aus dem Fond und blitzt doch immer wieder hervor. Die Iris sorgt dabei für eine leichte Pudrigkeit.
Zagorsk hat durchaus etwas Cremiges, in etwa wie eine sanft parfümierte Allgäuer Latschenkiefer Fuß-Creme. Hier ist absolut nichts Stechendes, Scharfes, oder Irritierendes auszumachen. Im Gegenteil, das Parfum ist mit seinen aromatisch holzigen Tönen warm und anschmiegsam und verschmilzt bei niedriger Dosierung sehr gut mit dem eigenen Körpergeruch. Ich finde, es passt sehr gut zum Winter und kann von Männern und Frauen gleichermaßen getragen werden.
In Farben ausgedrückt ist der Duft zwar nicht weiß (leicht und luftig), aber auch nicht schwarz (düster und verrucht), sondern repräsentiert ein sanftes, edel wirkendes mittelgrau. Ich war noch nie in einer russischen Kirche und kann daher nicht bestätigen, dass es dort so riecht, wie Zagorsk es uns glauben machen möchte. Wenn es allerdings so wäre, wäre es nicht unangenehm, dort eine Weile zu verweilen.
(Bee, 17.04.11)
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