Comme des Garçons - Stephen Jones
"A violet that hits a meteorite."
Hut auf oder besser: Hut ab vor dieser Kooperation: Comme des Garçons und Stephen Jones kreieren einen Duft, gemeinsam.
Rei Kawakubo ist die Frau hinter Comme des Garçons, dem legendären Cutting-Edge-Label aus Japan, zu dem man eigentlich keine Worte mehr verlieren muß: Vielfach ausgezeichnet, ikonoklastisch, einzigartig. Und Stephen Jones ist - ein Mensch idiosynkratisch geprägter Natur, ein dandyesker Sonderling, und - Hutmacher. Nicht irgendein Hutmacher, sondern - seit Eröffnung seines ersten Hutgeschäftes 1980 in Londons Covent Garden - der Hutmacher: Seine Kreationen, Tradition, Handwerkskunst und Moderne gekonnt verbindend, schmücken sowohl gekrönte Häupter als auch die Köpfe diverse Stars und Sternchen: Lady Diana, Boy George, die Rolling Stones, Pink, Marilyn Manson, Gwen Stefani - sie alle tragen sie, die Hüte von Stephen Jones.
Beide, Kawakubo und Jones, teilen wohl einige Eigenschaften, nicht zuletzt diejenige der teilweisen Radikalität ihrer Ideen und Entwürfe. So verwundert es auch nicht, daß aus der zufälligen Begegnung der beiden in den 80er Jahren auf einem Flughafen in Alaska mehr wurde. Ein Mehr mit Synergieeffekten: Jones, der mittlerweile auch für etliche andere Modedesigner wie Galliano und Mugler arbeitet, kreiert einen Teil der Hüte für Kawakubos Kollektion(en), verkauft seine Hüte in ihren Shops.
Jones, der von der italienischen Vogue als derjenige angesehen wird, der die schönsten Hüte der Welt herstellt, hegt eine tiefe Bewunderung für Rei Kawakubo - er verehrt sie und ihren Stil und bezeichnete sich mehrfach in Interviews nicht nur als großen Fan ihrer Person und ihrer Kleidung sondern auch und gerade als Liebhaber ihrer Düfte, die sie seit 1994 zusammen mit Parfumeur Mark Buxton kreierte. Zwischen Hüten und Parfums gäbe es auch durchaus Parallelen, wie Jones feststellt. Hüte würden Parfums näher stehen als Kleidung, da sie ebenfalls romantischer und oftmals jenseitiger Natur wären.
Da lag es nahe, mit Kawakubo zusammen einen Duft zu designen - dieses Werk ist nun vollbracht: Stephen Jones ist da.
Verpackt in einer reizenden, an eine alte Hutschachtel erinnernden Pappschatulle kommt der Duft daher, in einem den Tintenfässchen des 19. Jahrhunderts nachempfundenen Flakon.
Als Nase dahinter zeigt sich kein geringerer als Antoine Maisondieu verantwortlich, der neben diversen Düften für L'État Libre d'Orange bereits Hinoki für die Comme des Garçons-Monocle-Kooperation schuf.
Stephen Jones bezeichnete den Duft selbst als „futuristic, but Rococo”, er würde riechen, als ob ein Veilchen von einem Meteoriten getroffen worden sei.
Nun, nicht jeder kann sich unter dieser Assoziation etwas vorstellen; dabei trifft sie Stephen Jones eigentlich wahrlich gut: Ein samtenes Veilchen, süßtrocken, herb und erdig von fast irisartiger Konsistenz prallt auf steinern-metallene Noten, gleich einem Veilchensträußchen in einer metallenen Bauhausvase. Untermalt von einer Prise Nelkenpfeffer spendet Guajak holzig-warme Akzente, während luzider Vetiver für fast cleane Frische sorgt.
Stephen Jones ist mit diesem Duft gelungen, was er und Frau Kawakubo mit ihren jeweiligen Labels schon seit Jahren vollbringen: Ein zeitloser und äußerst beachtenswerter floral-würzig-frischer Duft, Begriffe wie Retro, Moderne und Avantgarde mühelos in sich vereinend weil gleichermaßen traditionell wie fortschrittlich.