Diptyque - Tempo

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Diptyque - Tempo

Die Parfums von diptyque feiern ihren 50. Geburtstag.

„Wir sind um die Welt gereist, von Kontinent zu Kontinent, und vor unserer Haustür wurde Weltgeschichte geschrieben. Wir haben viele Menschen getroffen und ins Herz geschlossen, sowohl unbekannte als auch berühmte, Menschen aller Hautfarben und Kulturkreise. Wir haben hingesehen und intensiv wahrgenommen, Ideen gesammelt und waren immer wieder für eine Überraschung gut. Und sind (fast) so jung geblieben wie damals …“

diptyque, hat trotz seines respektablen Alters nichts von seiner Lebendigkeit verloren, von seinem Erfindungsgeist und seinem Appetit auf Neues. Neugierig, raffiniert und unternehmungslustig wie eh und je feiert die Marke heute sowohl den 50. Jahrestag ihres ersten Eau de Toilette wie auch die Geburtsstunde zweier neuer Kreationen: den 36. und 37. Spross einer ständig wachsenden Kollektion.

Tempo
diptyque nimmt das Patschulithema auf, (natürlich) in verfeinerter Form, ausdrucksstark und doch sehr subtil, vom Parfümeur und langjährigen Begleiter Olivier Pescheux entworfen. Drei verschiedene Extrakte wurden verarbeitet, alle aus dem nachhaltigen Anbau, den Givaudan auf der indonesischen Insel Sulawesi betreibt. Eine lang anhaltende Schwingung, wie das nachhallende Echo einer musikalischen Explosion.

Das aus Indien, Kathmandu oder Colombo importierte primitive Patschuli, das grob destilliert und in einfache Fette integriert wurde, gehörte nicht gerade zu den subtilsten Duftsubstanzen, seien wir doch mal ehrlich. Aber trotz seiner Anti-Motten-Note (die Blätter des Strauches wurden übrigens tatsächlich lange Zeit als Mottenschutz verwendet), strahlte dieser Duft deutlich eine Art Manifest aus. Henna, Khol, Patschuli: ein Markenzeichen?

Aus dem Orient brachten die Jugendlichen auch Töne mit, neue Harmonien, pazifistische Melodien. Sitar, Tablas, Wah-Wah-Gitarrenklänge, ein Echo des Herzschlags der (neuen) Welt. Während für Jack Kerouac der wichtigste Einfluss der Beat Generation vom Jazz kam, schalten die Kinder der Nachkriegsgeneration bei den schrägen Klängen von Psychedelic Rock in den Flower-Power-Modus.

Man spürt einen Hauch der feuchten Erde in einem Urwald voller Farne und riesiger Teakbäume, im Halbdunkel mysteriöser Schatten, in denen noch uralte endemische Arten leben. Hier nennt man es Nilam.

Ein kraftvoller Auftakt, holzig, konsequent rassig (untermalt von einem Mateabsolue), nahezu kampferartig, fast schon grün (intensiviert von Veilchenblättern), mit einem kaum wahrnehmbaren Hauch wilden Kakaos. Ein kraftvoller Akzent, der den weiteren Ingredienzen Glanz verleiht.

Rosa Pfeffer, Bergamotte und frischer Jasmin sorgen für Spritzigkeit und Farbe. Ein Ambraakkord bringt Sexappeal ein. Er setzt sich aus Muskatellersalbei (der pflanzlichen Version von grauer Ambra) und Ambrofix (ein Extrakt aus denselben aromatischen Blättern) zusammen, das von leidenschaftlichen Liebhabern sogar in Reinform verwendet wird: warm, samtig, mit einem Hauch Zedernholz, unterschwellig animalisch, vergleichbar mit seidenweichem Wildleder. Dazu ein Spritzer Moschus als Tüpfelchen auf dem i. Die olfaktorische Überraschung? Die Spannung zwischen dem säuerlichen und öligen Charakter der Veilchenblätter und der moosigen (modrigen) Facette von Patchouli.
© Aus Liebe zum Duft (hb)

Mehr Informationen

Anfang der 1960er Jahre bestimmen der Renault Dauphine und der Citroën DS19 das Straßenbild Frankreichs. Neun von zehn Franzosen haben kein Telefon, nur jeder Zweite besitzt einen Fernseher. Züge brauchen sieben Stunden bis Marseille. Die rebellierende Jugend ist in zwei Lager gespalten: auf der einen Seite die Träumer, die bis nach Goa trampen, auf der anderen Seite die Wütenden, die die Welt verändern wollen.

Zur gleichen Zeit gibt es aber auch drei lebensfrohe Künstler, die an der Nummer 34 des Boulevard Saint Germain einen Laden eröffnen. Sie heißen Desmond (Knox-Leet), Christiane (Gautrot) und Yves (Coueslant), sind Maler, Innenarchitekten, Bühnenbildner und zetteln ihrerseits eine Minirevolution an.

In ihrem kunterbunten, aber schicken Basar, einem Anfang des Jahrzehnts eröffneten Concept-Store-Vorreiter, findet man verführerische Dinge, die es sonst nirgendwo gibt. Magische Laternen, kostbares Spielzeug, wundervolle Fayencen und reizvolle Notizbücher. Auch hausgemachte Artikel werden angeboten: bedruckte Stoffe und erste Duftkerzen (Aubépine, Thé, Cannelle, ab 1963) und von Desmond und seiner britischen Herkunft inspiriert Duftendes im englischen Stil wie Eau de Colognes mit Flieder, Maiglöckchen und Veilchen, aber auch exotisch Angehauchtes wie Bay Rhum, von dem man südlich des Ärmelkanals noch nie etwas gehört hatte. Weil die Boutique ähnlich einem Diptychon zwei Schaufenster hat – und ihre Gründer ein breites Vokabular beherrschen – erhält sie den Namen diptyque.

Im Frühjahr ’68, also vor genau 50 Jahren, sorgen zwei Ereignisse im Viertel für Aufruhr. Beim ersten – in aller Welt bekannten – spielten Barrikaden, fliegende Pflastersteine und die Untersagung von Verboten die Hauptrolle. Es galt, die Welt neu zu gestalten. Das zweite Ereignis verlief wesentlich diskreter: die Geburt eines neuartigen Duftes, eine betörende Mischung aus Gewürzen, eine Reminiszenz an mittelalterliche Pomander (alte Rosen, Zimt, Orange, Nelke). Eine Kreation von Desmond, der selbsternannten „Nase“ des Hauses, die er lakonisch L’Eau nennt. Es galt, eine ganze Kunst neu zu erfinden.

L’Eau positioniert sich als erstes Nischenparfum, als erster geschlechtsneutraler Duft, als erste Autorenkomposition. Und mit L’Eau werden auch zwei Traditionen aus der Wiege gehoben, die zum Markenzeichen werden sollten: Produktnamen mit O-Lauten (Oponé, Tam Dao, Ofrésia, Eau des Sens, Olène, etc.) und die sogenannte olfaktorische „Überraschung“, also eine unerwartetete Nuancenmischung, die man im Zusammenspiel der Noten eigentlich nicht vermuten würde. L’Eau, der Duft, mit dem alles begann.

Zurück zu den Ursprüngen
Eine Zeit überraschender Ereignisse. Tempo und Fleur de Peau aus dem Hause diptyque sind nicht nur konsequent modern, sondern auch eine Referenz und Reverenz an jenen berühmten Vorfahren L’Eau und dessen Geburtsjahr 1968 … eine Epoche des großen Freiheitsdrangs und der tief greifenden Veränderungen. Eine Zeit überraschender Ereignisse:

• Fast alle Abiturienten schaffen in Frankreich den Abschluss, ohne dafür gelernt zu haben.
• Neil Armstrong und Buzz Aldrin tanzen auf dem Mond.
• Das Musical „Hair“ wird am Broadway zum 1742. Mal aufgeführt.
• Die Beatles bringen die LP „The Beatles“ mit dem legendären Song „Revolution“ heraus.
• Carlos Saura klammert sich beim 21. Filmfestival in Cannes am Bühnenvorhang fest, um aus Solidarität mit den revolutionierenden Studenten und aufrührerischen Arbeitern die Vorführung seines eigenen Films zu verhindern.
• Farbige Athleten recken bei den olympischen Spielen auf dem Siegerpodest eine schwarz behandschuhte Hand in den Himmel.

Was roch 1968 gut (oder auch nicht), als wir 20 waren? L’Air du temps von Nina Ricci und Brut de Fabergé, zwei Kompositionen für brave Fräuleins und junge Männer mit adrettem Haarschnitt, des Weiteren ausgefallene Essenzen (Tränengas), tabaklastige Wolken (von Gauloises und Gitanes), Lux-Seife, Tigerbalsam … und für Duftwaghalsige und Exotikabenteurer standen Patschuliöl und provokanter Moschus bereit.

Bilder riechen, Düfte sehen
Jede Ingredienz ist wie eine Farbnuance auf einer Palette, wie der Abdruck eines Ortes, einer Landschaft, einer Epoche. Für Tempo wurde ein Schamane (in Indien nennt man sie Guru) gewählt, der mit dem Wald kommuniziert, dort, wo das Patschuli wächst, wo Geister und Tiere leben. Das Universum ist prall gefüllt, unendlich, geheim. Was befindet sich in diesem Flakon?

Für Fleur de Peau ließ sich der Illustrator vom Wort „psychedelisch“ inspirieren, das auf einen jahrtausendealten griechischen Mythos zurückgeht. Eine Prinzessin von unvergleichlicher Schönheit verliebt sich unsterblich in den Sohn Aphrodites. Er besucht sie in der Nacht, sie umschlingt ihn in ihren Träumen.

Da die drei diptyque Gründer in erster Linie Bildhauer und Maler waren, bezog ihre Herangehensweise bei der Parfumkreation sowohl eine visuelle als auch eine immaterielle Dimension mit ein. Es ging darum, das Unsichtbare sichtbar und erkennbar zu machen. Jede Ingredienz ist wie eine Farbnuance auf einer Palette, wie der Abdruck eines Ortes, einer Landschaft, einer Epoche. Orientalische Märkte, viktorianische Gärten, chinesische Reisfelder … Die Illustration der Flakons spielt in der Erzählung eine Hauptrolle.

Auf der Rückseite erhellt ein ausbrechender Vulkan den Nachthimmel. Ein magischer Berg, der Unheil bringt, aber auch Gutes tut, denn aus seiner Asche schöpft die üppige Pflanzenwelt der Insel ihre Kraft. Indonesien liegt am Pazifischen Feuerring und an den Hängen seiner Feuerspucker wächst dreimal pro Jahr dieser wundervolle Busch heran.

Unzählige Halluzinationen, Katastrophen und Wunder später vereinen sich die beiden Liebenden, die bereits eine Tochter namens Voluptas haben, auf immer und ewig. Die Vermählung von Liebe (Eros) und Seele (Psyche).

Wie schon beim ersten von Desmond Knox-Leet vor 50 Jahren für L’Eau entworfenen Motiv wurden die Etiketten für Tempo und Fleur de Peau mit Tusche gezeichnet. Jedes ist beidseitig bedruckt, wobei die Rückseiten jeweils nur von innen erkennbar sind, durch die Parfumflüssigkeit hindurch. Schwebende, schwimmende Bilder, fast wie ein Traum … Figurativ illustrieren sie die Duftnoten, die sich in ihnen widerspiegeln. Ein Kommen und Gehen, ein Nebeneinander, eine Symbiose. Rund um das Emblem sieht man die historische Adresse: diptyque, 34 Boulevard Saint-Germain, Paris 5e.

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