When In Doubt… Think Pink

Mit ihren mittlerweile 63 Jahren hat sich Barbara Millicent Roberts wirklich gut gehalten. Rank und schlank ist sie mit ihren glänzenden, langen, blonden Haaren und für viele immer noch die Traumfrau schlechthin. Ob es an ihrer Lieblingsfarbe Pink liegt oder an ihrem Traumprinzen Ken Carson, der seit 1961 an ihrer Seite ist? Man weiß es nicht, aber mit seinen stahlblauen Augen und seinem unübersehbarem Sixpack macht er ihr traumhaftes Leben - inklusive repräsentativer Villa und ansehnlichem Freundeskreis - rundum perfekt. Die Rede ist natürlich von Barbie, der wohl berühmtesten Puppe der Welt, die ihren Namen 1959 von der Tochter ihrer Erfinderin Ruth Handler bekam. Seitdem ist Barbie mitsamt Freundinnen und Freunden ein fester Bestandteil der Mädchenzimmer der westlichen Welt.

Dabei war nicht immer alles eitel Sonnenschein. Selbst Barbie in ihrer durchdesignten Plastikwelt könnte durchaus auch von Höhen und Tiefen ihres (Puppen)Lebens berichten, in dem es neben Designerklamotten, weißen Einhörnern und pinkfarbenen Cabrios durchaus auch härtere Zeiten gab. Zum Beispiel, als Ende der 90er Jahre die Verkaufsumsätze stetig zurückgingen und immer weniger Mädchen „Barbie Girl's“ ihr damals von der dänischen Popgruppe Aqua besungenes "Life in plastic - it's fantastic“ toll fanden. Auch die Entscheidung des Spielzeugproduzenten Mattel, sie und ihre Freunde aus Angst vor dem Liebesentzug der Fans in der realen Welt zu platzieren, machte es damals nicht besser. Als „Diversity-Barbie“ mit deutlich mehr Pfunden auf den Rippen nicht mehr in ihre Kleider passte, waren zwar Kritiker und Psychologen zufrieden, ihre Fans jedoch keineswegs. Und das, obwohl Barbie endlich mit beiden Füßen sicher im Leben stehen konnte und nicht mehr auf Highheels durchs Leben wackeln musste. Im ganz normalen Leben wollten ihre Fans sie damals nicht sehen, denn „Diversity-Barbie“ wurde an der Ladenkasse gnadenlos abgestraft. Ironie der Geschichte: Man hat der Barbie im Laufe ihres langen Puppenlebens so einiges vorgeworfen, Übergewicht war nie dabei. Im Gegenteil. Sie würde Magersucht bei jungen Mädchen verursachen, den Feminismus ebenso verhindern wie Karrieren als AkademikerIn, weil sie Sex, Brüste, Negligés und Stöckelschuhe in die Kinderzimmer brachte. Erst Corona sorgte dafür, dass Barbie wieder boomt. Mittlerweile gilt sie sogar als progressiv und sozial engagiert, weil sie jetzt auch gerne mal statt zum Shoppen auf eine „BlackLivesMatter“-Demonstration geht.

 

Think Pink

 

Dabei hat jede/r seine eigene Geschichte mit der berühmten Modepuppe. Ich war ungefähr zehn, als ich sie das erste Mal in all ihrer modischen Pracht in den Regalen des Spielzeugladens meines Vertrauens entdeckte. Da ein Kauf mein Taschengeld bei weitem überstieg, wurde Barbie für mich zu einer Art Obsession. Eine gefühlte Ewigkeit war sie die unbestrittene Nummer eins auf jedem meiner Wunschzettel. Ob Geburtstag, Weihnachten oder Ostern, ich wünschte mir eine Barbie … und bekam keine. Bis dann irgendwann eine Petra - und damit das schlimmste Weihnachtsgeschenk ever unter dem Weihnachtsbaum lag. Die Petra war die deutsche Version des amerikanischen Originals von Mattel und damit für mich indiskutabel. Langer Rede, kurzer Sinn: Statt zu versuchen, mich mit dieser dunkelhaarigen, irgendwie provinziellen, deutschen Volksausgabe einer Barbie anzufreunden, heulte ich erstmal eine Stunde. Mindestens! Ein paar Wochen später befreundete ich mich dann mit Annette. Die hatte zwar eine komische, weil übervorsichtige Mutter und auch sonst keine Freundinnen, aber sie besaß mindestens 15 Barbies und einen riesigen Garten, den wir bespielen durften. Beides wollte sie bereitwillig mit mir teilen. Das Beste: Hin und wieder durfte ich mir sogar eine Barbie von ihr ausleihen. Annette und ich schrieben damals in jeder freien Minute lange Dialoge und ausufernde Geschichten für „unsere“ Barbies, die auf einer Expedition den Garten erforschten oder als Ärztinnen die kranken Bäume und Pflanzen therapierten. Die passende Kleidung wurde gebastelt, ebenso wie die Unterkünfte und Zelte, die meistens aus einem alten Schuhkarton und Taschentüchern designed wurden. Heute weiß ich, dass unser Spiel ebenso kreativ wie originell war und ich damals meine ersten Texte geschrieben habe. Mit Mode hingegen hatte das Ganze absolut nichts zu tun. Seit es die Barbie gibt, haben in jeder Generation Millionen von Frauen als Kind mit ihr gespielt, die später weder magersüchtig wurden noch dumm waren, sondern Karriere machten. Frauen, die - wie Kerstin Herrnkind 2019 im Stern schrieb, „ihren Töchtern später Barbies schenken und sich mitunter rechtfertigen müssen, als hätten sie ihren Kindern Kalaschnikows gekauft.“

Meine erste Barbie bekam ich übrigens erst unlängst durch einen Zufall: Bei einem Straßenflohmarkt kaufte ich einer entfernten Nachbarin für 5 Euro einen alten, blauen Plastikkoffer mit ihren gesammelten Barbies inkl. Garderobe ab. Einen kleinen Teil davon sehen Sie übrigens mitsamt einer Auswahl „Barbie“ tauglicher Düfte auf dem Foto oben. Überhaupt werden Sie in den nächsten Monaten kaum um das Thema „Barbie“ herumkommen, es sei denn, sie interessieren sich weder für Mode, noch für Lifestyle. Denn Barbie ist zur Zeit das, was man „hot“ nennt. „Barbiecore“ heißt der Trend, der von der ikonischen Puppe inspiriert ist. Im Focus: Pink in allen Schattierungen von Fuchsia über Magenta bis Rosé, am besten von Kopf bis Fuß getragen, dabei gerne mädchenhaft oder auch gewollt kitschig. Eine Farbpalette mit einem Lebensgefühl, das Spaß macht und wie die passenden Düfte, ob mit oder ohne rosa Brille, perfekt in die vor uns liegende trübe Jahreszeit passt.

Christiane Behmann Christiane Behmann ist Diplom Sozialwissenschaftlerin und Texterin. Nachdem sie lange Jahre als Pressereferentin für verschiedene Unternehmen tätig war, wagte sie 2000 mit einer eigenen Werbeagentur den Schritt in die Selbständigkeit. 2007 gründete sie das „Archiv für Duft & feine Essenzen“ und war damals eine der ersten Bloggerinnen Deutschlands. Seit 2009 war sie außerdem Inhaberin vom Duftcontor in Oldenburg und arbeitet jetzt wieder in ihrem alten Beruf.


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